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Erscheint demnächst: Herr Munkel und das ???“ – oder warum ich Frida irgendwann einfach glauben musste

Benno Vorberg - Weblog Kinderbuch-Autor
Frida und Benno Vorberg

Es gibt Geschichten, die man sich ausdenkt. Und es gibt Geschichten, bei denen man sich nach einiger Zeit nicht mehr ganz sicher ist, ob man sie sich ausgedacht hat oder ob jemand anderes sie einem so lange und mit solcher Überzeugung erzählt hat, bis man schließlich kapituliert und sie aufschreibt.

Bei „Herr Munkel und das ???“ war es eindeutig Letzteres.

Frida behauptet selbstverständlich etwas anderes.

„Du hast gar nichts erfunden“, sagte sie mir kürzlich.

„Ich habe ein Buch geschrieben.“

„Ja. Aber die Sachen sind passiert.“

„Frida, Herr Munkel ist ein finsterer Magier.“

„Das sagt er selbst.“

„Das macht es nicht glaubwürdiger.“

Sie sah mich auf jene Weise an, die Kinder ausgezeichnet beherrschen und die Erwachsenen sofort das unangenehme Gefühl vermittelt, möglicherweise gerade etwas ausgesprochen Dummes gesagt zu haben.

„Wenn jemand sagt, er ist Bäcker, glaubst du ihm doch auch.“

Damit war die Sache für Frida geklärt.

Für mich zunächst nicht.

Denn die Geschichte, die sie mir erzählt hatte, begann bereits mit einem erheblichen Glaubwürdigkeitsproblem: Ein langer, dünner Mann in schwarzem Mantel zieht in das Haus gegenüber der Fahrradwerkstatt ein. Hinter ihm rollen mehrere schwarze Koffer her, ohne dass jemand sie zieht. In einem davon befindet sich ein ausgestopfter Rabe namens Rodrigo, der zu äußerst passenden, gelegentlich aber auch vollkommen unpassenden Gelegenheiten „Unheil!“ ruft.

Ich fragte Frida, ob die Koffer vielleicht Rollen gehabt hätten.

„Natürlich.“

„Und vielleicht wurden sie gezogen?“

„Nein.“

„Mit dünnen Schnüren?“

„Papa hat das auch gesagt.“

„Siehst du.“

„Er hatte auch Unrecht.“

Ich begann irgendwann zu verstehen, dass ich in dieser Angelegenheit keine Unterstützung von Fridas Vater bekommen würde.

Also schrieb ich weiter.

Der neue Nachbar heißt Herr Munkel und hält sich selbst für einen finsteren Magier von beträchtlichem Rang. Das Problem besteht weniger darin, dass ihm niemand glaubt. Das eigentliche Problem ist, dass seine Zauberei durchaus funktioniert – nur selten so, wie Herr Munkel es vorgesehen hat.

Und hier möchte ich vorsichtig sein, denn natürlich soll noch nicht verraten werden, was alles geschieht.

Nur so viel: Herr Munkel möchte die Welt schlechter machen.

Die Welt scheint darüber eine andere Meinung zu haben.

Das führt mit der Zeit zu einigen Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Frida, die sich erstaunlich wenig davon beeindrucken lässt, dass ihr neuer Nachbar dramatische Mäntel trägt, schwarze Kerzen anzündet und gern von Verderben, Finsternis und ähnlichen Dingen spricht.

Frida interessiert sich vielmehr für praktische Fragen.

Warum beispielsweise sollte man ausgerechnet das Brot einer Bäckerei verfluchen, wenn eigentlich der Lieferwagen den Magier geweckt hat?

Ob ein kaputter Spielplatz wirklich noch verdorben werden muss, wenn er ohnehin schon kaputt ist?

Und weshalb ein Zauberer, der behauptet, über gewaltige dunkle Kräfte zu verfügen, eigentlich so viele Probleme mit Enten hat?

„Das waren keine Probleme“, widersprach Frida, als ich diesen Satz vorlas.

„Herr Munkel wird von sechs Enten verfolgt.“

„Sie folgen ihm freiwillig.“

„Das meinte ich.“

„Das ist etwas anderes.“

Ich ließ den Satz trotzdem stehen.

Natürlich begegnet man in diesem Buch wieder einer Figur, wie ich sie für Kinder besonders gern schreibe: einem Kind, das Erwachsenen zuhört, ihnen aber deshalb noch lange nicht alles glaubt.

Frida ist neugierig, gelegentlich hartnäckig und besitzt jene unangenehme Eigenschaft, Fragen meistens genau dann zu stellen, wenn Erwachsene hoffen, dass niemand mehr fragt.

Herr Munkel wiederum ist der denkbar ungünstigste Gesprächspartner für ein solches Kind, denn er legt großen Wert auf Würde, Wirkung und eine angemessene Inszenierung des Bösen.

Frida legt größeren Wert darauf, dass Dinge logisch sind.

Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

Oder vielleicht gerade doch.

Während ich ihre Erzählungen aufschrieb, entstand jedenfalls immer häufiger ein merkwürdiges Problem: Ich ertappte mich dabei, nicht mehr darüber nachzudenken, ob Frida die Wahrheit sagte, sondern nur noch darüber, weshalb Herr Munkel so beharrlich versuchte, seine offensichtlich hilfreichen Missgeschicke als erfolgreiche Verwünschungen zu verkaufen.

Als ich sie darauf ansprach, zuckte sie mit den Schultern.

„Weil er Herr Munkel ist.“

Manchmal benötigt Literatur keine kompliziertere Figurenanalyse.

„Herr Munkel und das ???“ ist deshalb auch keine Geschichte über einen bösen Zauberer im üblichen Sinn. Herr Munkel bemüht sich zwar redlich darum, einer zu sein. Doch zwischen einem Vorhaben und seinem Ergebnis befindet sich bekanntlich ein ziemlich großer Raum, und genau dort hat Frida es sich gemütlich gemacht.

Dort stehen auch ein paar Fahrräder.

Und Enten.

Und vermutlich Rodrigo.

„Rodrigo steht meistens nicht lange“, bemerkte Frida.

Das stimmt leider.

Der ausgestopfte Rabe besitzt gewisse statische Schwierigkeiten.

Wer meine anderen Kinderbücher kennt, weiß vermutlich schon, dass mich Figuren interessieren, die nicht erklären, welche Botschaft eine Geschichte besitzt. Kinder brauchen keine Figuren, die ihnen nach drei Seiten mitteilen, was richtig oder falsch ist. Sie können sehr gut selbst beobachten, vergleichen und entscheiden.

Deshalb wird auch Herr Munkel nicht plötzlich zum pädagogisch wertvollen Zauberer.

Das wäre ihm vermutlich ausgesprochen peinlich.

Und Frida wird ebenso wenig zum braven Kind, das gelernt hat, Erwachsenen nicht zu widersprechen.

Auch das wäre vollkommen unglaubwürdig.

Stattdessen geraten beide immer tiefer in eine merkwürdige Zusammenarbeit, in der Herr Munkel versucht, Frida die Finsternis näherzubringen, während Frida vor allem herausfinden möchte, was seine Zauberei tatsächlich bewirkt.

Wer dabei von wem mehr lernt, darf jeder Leser selbst entscheiden.

Nur eines kann ich inzwischen sagen: Ich bin froh, dass ich Frida irgendwann nicht mehr ständig unterbrochen habe.

Denn aus ihren ziemlich unwahrscheinlichen Berichten ist ein Buch geworden, das mir beim Schreiben ausgesprochen viel Freude gemacht hat. Gerade weil Herr Munkel mit beträchtlicher Ernsthaftigkeit durch Situationen schreitet, die diese Ernsthaftigkeit beharrlich verweigern.

Der Titel des Buches lautet:

„Herr Munkel und das ???“ (Das Geheimnis dieser Fragezeichen bleibt noch ungelöst.)

von Benno Vorberg.

Das Buch befindet sich derzeit in den letzten Vorbereitungen und wird voraussichtlich innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen erscheinen.

Sobald der genaue Erscheinungstermin feststeht und das Buch erhältlich ist, werde ich natürlich hier auf lesebuecher-fuer-kinder.de darüber informieren.

Frida hält diese Formulierung übrigens für unnötig kompliziert.

„Schreib einfach, dass es bald da ist.“

„Eine Neuerscheinung sollte ordentlich angekündigt werden.“

„Warum?“

„Weil man das so macht.“

Sie überlegte kurz.

„Das sagt Herr Munkel auch immer.“

Seitdem denke ich darüber nach, ob ich den letzten Absatz wieder streichen sollte.

Ich lasse ihn vorsichtshalber stehen.

Lesebrief - Benno Vorberg

Neue Geschichten, Gedanken über Kinderbücher und Sprache, Einblicke in die Arbeit von Benno Vorberg sowie gelegentliche Leseproben und Materialien für Eltern und Lehrkräfte.

Der Lesebrief erscheint in unregelmäßigen Abständen, gewöhnlich etwa einmal im Monat.