Ein neues Herr-Quast-Buch entsteht – über Mut und die richtigen Worte

Benno Vorberg - Weblog Kinderbuch-Autor

Ein „NEIN“ ist manchmal das Mutigste

Wenn alles planmäßig läuft, wird Ende Juli mein neues Kinderbuch „Ein Lesebuch über Mut“ in die Buchshops kommen.

Es ist ein weiterer Band aus der Welt von Mila, ihren Freunden und Herrn Quast – jener etwas geheimnisvollen Figur, die längst weiß, dass Wörter nicht einfach nur Wörter sind. Sie können verloren gehen, überhört werden, zu groß werden oder so oft falsch benutzt werden, dass man sie irgendwann kaum noch erkennt.

Diesmal geht es um ein Wort, das Kinder sehr früh kennenlernen: mutig.

Auf den ersten Blick klingt dieses Wort klar. Mutig ist, wer sich traut. Mutig ist, wer nicht zurückweicht. Mutig ist, wer auf den gesperrten Kletterturm steigt, obwohl andere zögern. Aber so einfach ist es nicht. Gerade Kinder spüren oft sehr genau, dass ein Wort eine andere Bedeutung bekommen kann, sobald andere zuschauen. Aus einem harmlosen Satz wird plötzlich eine Erwartung. Aus einem Witz wird eine Mutprobe. Aus einem „Ich mach das schon“ wird ein Versprechen, das man vielleicht gar nicht geben wollte.

Genau an diesem Punkt beginnt die Geschichte.

An der Grundschule Sonnenweg ist der alte Kletterturm abgesperrt. Eine Sprosse ist locker, niemand darf hinauf. Eigentlich müsste damit alles gesagt sein. Doch auf einem Schulhof ist selten alles gesagt. Da gibt es Blicke, kleine Bemerkungen, halbe Herausforderungen. Da fallen Sätze wie: „Komm schon.“ „Traust du dich nicht?“ „Du hast es doch gesagt.“ Und plötzlich geht es nicht mehr nur um einen Turm, sondern um die Frage, wie ein Kind vor anderen dastehen möchte.

Im Mittelpunkt steht diesmal Tom. Wer die Herr-Quast-Bücher kennt, weiß, dass Tom gern witzig ist, schnell antwortet und manchmal mutiger wirkt, als er sich selbst fühlt. Das macht ihn nicht unsympathisch. Im Gegenteil. Viele Kinder kennen dieses Gefühl: Man sagt etwas, weil es gerade passt, weil andere lachen, weil man nicht klein aussehen möchte. Und dann steht der Satz im Raum und wartet darauf, dass man ihm folgt.

Für Tom wird es schwieriger, als Emil, ein jüngerer Schüler, beginnt, zu ihm aufzuschauen. Auf einmal ist Tom nicht nur der Junge, der einen Spruch gemacht hat. Er wird zum Vorbild. Und damit bekommt sein Verhalten ein Gewicht, das er selbst zunächst unterschätzt.

Mila spürt früher als die anderen, dass mit dem Wort mutig etwas nicht stimmt. Nicht, weil Mut falsch wäre. Sondern weil er falsch verstanden werden kann. Gemeinsam mit Ben, Jonna, Nora, Amelie und Herrn Quast entdeckt sie unter der Schule die Werkstatt der mutigen Wörter. Dort werden Wörter nicht einfach aufbewahrt. Dort werden sie geprüft, gepflegt, manchmal repariert. Denn ein beschädigtes Wort kann gefährlich werden, wenn Kinder ihm blind vertrauen.

Mir war beim Schreiben wichtig, Mut nicht als lautes Heldentum zu erzählen. Kinder brauchen keine Geschichten, die ihnen einreden, sie müssten immer stärker, schneller oder furchtloser sein. Sie brauchen Geschichten, in denen auch ein Nein Gewicht hat. Ein Rückweg. Ein Zögern. Der Satz: „Ich muss nichts beweisen.“ Vielleicht ist das manchmal sogar der schwierigste Satz überhaupt.

„Das Lesebuch über Mut“ ist deshalb kein Buch gegen Mut. Es ist ein Buch für einen genaueren Mut. Für einen Mut, der Angst nicht auslacht. Für einen Mut, der Verantwortung kennt. Für einen Mut, der merkt, wann ein Schritt nach vorn richtig ist – und wann der Schritt zurück auf sicheren Boden der eigentliche Beweis von Stärke ist.

Wie in den anderen Herr-Quast-Büchern geht es auch hier um Sprache. Nicht um Sprache als Schulfach, sondern um Sprache als etwas Lebendiges. Kinder erleben jeden Tag, wie Wörter wirken. Ein einziger Satz kann verletzen, trösten, herausfordern oder schützen. Ein falsches Wort kann Druck erzeugen. Ein richtiges Wort kann eine Tür öffnen. Und manchmal hilft ein gutes Wort dabei, sich selbst besser zu verstehen.

Ich schreibe diese Bücher für Kinder ab etwa acht Jahren, aber ich denke beim Schreiben immer auch an die Erwachsenen, die mitlesen, vorlesen, verschenken oder in der Schule mit Kindern über Geschichten sprechen. Ein Kinderbuch darf spannend sein, ohne laut zu werden. Es darf ein wichtiges Thema berühren, ohne daraus eine Lektion zu machen. Es darf Kinder ernst nehmen, ohne ihnen die Last der Erwachsenenwelt aufzulegen.

Darum hoffe ich, dass „Die Werkstatt der mutigen Wörter“ nicht nur gelesen wird, sondern auch Gespräche öffnet. Über Mutproben. Über Gruppendruck. Über Vorbilder. Über den Unterschied zwischen stark wirken und stark sein. Und vielleicht auch über jene Momente, in denen ein Kind merkt: Ich darf umkehren, ohne kleiner zu werden.

Ende Juli wird das Buch voraussichtlich in den Buchshops erhältlich sein. Ich freue mich sehr darauf, Mila, Tom, Emil, Herrn Quast und die Werkstatt der mutigen Wörter bald auf den Weg zu schicken.

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