
Die Entscheidung, Illustrationen mit Unterstützung künstlicher Intelligenz zu erstellen, ist mir nicht leichtgefallen. Gerade bei Kinderbüchern haben Bilder eine besondere Bedeutung. Sie begleiten nicht nur den Text, sondern geben Figuren ein Gesicht, schaffen Atmosphäre und helfen dabei, aus einzelnen Geschichten eine erkennbare Welt entstehen zu lassen.
Deshalb habe ich lange überlegt, wie ich mit diesem Thema umgehen möchte. Mir war von Anfang an klar, dass KI-Bilder berechtigte Fragen aufwerfen. Es geht um Urheberrechte, um die Arbeitsbedingungen von Illustratorinnen und Illustratoren, um Stilähnlichkeiten und um die Sorge, dass kreative Berufe durch automatisch erzeugte Bilder entwertet werden könnten. Diese Fragen sollte man nicht kleinreden.
Kinderbücher brauchen Bilder – aber gute Illustrationen sind teuer
Eine professionelle Illustration ist zu Recht nicht billig. Hinter einem gelungenen Bild stehen Ausbildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Skizzen, Korrekturen und ein eigener künstlerischer Blick. Für ein vollständig illustriertes Kinderbuch können deshalb schnell Kosten entstehen, die ein kleiner unabhängiger Autor kaum tragen kann.
Meine Bücher erscheinen nicht in einem großen Verlag mit entsprechendem Produktionsbudget. Ich schreibe, überarbeite, gestalte, veröffentliche und vermarkte sie weitgehend selbst. Schon Lektorat, Satz, Druck, Vertrieb, Website und Werbung verursachen erhebliche Kosten.
Die Alternative wäre deshalb häufig nicht gewesen, einen Illustrator zu beauftragen, sondern auf viele Bilder ganz zu verzichten.
Gerade bei den Lio- und Herr-Quast-Geschichten hätte das jedoch einen wichtigen Teil der Buchwelt genommen. Die alte Linde, der Wortkeller, die kleinen Baumwesen, die Gläser voller Wörter und die stillen magischen Orte leben auch von ihrer visuellen Atmosphäre.
Auch bei Grafikaufträgen gibt es schwarze Schafe
Hinzu kommt eine Erfahrung, über die selten gesprochen wird: Nicht jedes kostenpflichtige Grafikangebot ist automatisch seriös oder handwerklich überzeugend.
Auch in diesem Bereich gibt es Anbieter, die fremde Vorlagen verwenden, Stockbilder nur geringfügig verändern, KI-generierte Grafiken als vollständig handgezeichnet verkaufen oder Leistungen versprechen, die sie später nicht einhalten. Ein hoher Preis garantiert noch keine eigenständige oder passende Gestaltung.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass professionelle Illustratorinnen und Illustratoren generell infrage zu stellen wären. Im Gegenteil: Gute Illustratoren leisten etwas, das weit über das bloße Erzeugen eines Bildes hinausgeht. Sie entwickeln Figuren, lesen zwischen den Zeilen und schaffen durch ihre persönliche Handschrift etwas Unverwechselbares.
Aber auch ein kleiner Autor muss sorgfältig prüfen, wem er sein Geld und seine Geschichten anvertraut.
Meine Entscheidung war letztlich auch eine finanzielle
Am Ende habe ich mich aus finanziellen Gründen für KI-gestützte Bilder entschieden. Das ist keine besonders romantische Erklärung, aber eine ehrliche.
Diese Entscheidung ermöglicht es mir, meine Bücher und begleitenden Materialien visuell so auszustatten, wie ich es mir grundsätzlich vorgestellt habe: mit wiederkehrenden Figuren, einer zusammenhängenden Farbwelt und Bildern, die Natur, Sprache, Fantasie und eine leise Form von Magie miteinander verbinden.
Dabei entsteht das Ergebnis allerdings nicht durch einen einzigen Knopfdruck.
Viele Entwürfe werden verworfen. Figuren sehen zunächst anders aus als in vorherigen Bildern. Hände, Gegenstände, Perspektiven oder Texte stimmen nicht. Manchmal ist die Atmosphäre zu dunkel, zu künstlich oder zu glatt. Dann wird neu formuliert, korrigiert und wiederholt.
Ich entscheide über Motive, Bildaufbau, Stimmung, Kleidung, Farben, Schauplätze und Details. Ich prüfe, ob ein Bild zur Geschichte gehört oder nur hübsch aussieht. Vor allem versuche ich, darauf zu achten, dass sich Lio, Herr Quast und ihre Welten nicht bei jedem neuen Bild verwandeln.
Die KI ist dabei ein Werkzeug. Die Verantwortung für Auswahl und Verwendung bleibt bei mir.
Nicht jede KI-Grafik ist automatisch eine gute Illustration
Ich halte wenig davon, jedes erzeugte Bild allein deshalb zu verwenden, weil es technisch beeindruckend wirkt. Gerade KI-Bilder neigen zu einem bestimmten Hochglanz, zu übertriebener Dramatik und zu einer Schönheit, die manchmal keine eigene Haltung besitzt.
Für meine Bücher suche ich etwas anderes: Helligkeit, Wärme, erzählerische Details und Figuren, die nicht wie austauschbare Werbegesichter erscheinen.
Das gelingt nicht immer. Auch auf dieser Website wird es Bilder geben, die ich später anders gestalten würde. Aber das gilt für viele kreative Entscheidungen. Wichtig ist mir, die Ergebnisse nicht unkritisch zu übernehmen.
Transparenz gehört für mich dazu
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, die Bilder seien auf traditionelle Weise von Hand gemalt worden. Wo KI zum Einsatz kommt, darf das auch gesagt werden.
Gleichzeitig möchte ich die Bilder nicht nur nach ihrer Herstellung beurteilen. Entscheidend ist für mich auch, ob sie Kindern und Erwachsenen etwas eröffnen: eine Stimmung, eine Frage, einen Zugang zu einer Geschichte oder einfach die Lust, genauer hinzusehen.
Technik ersetzt keine Idee. Sie ersetzt auch keine Geschichte. Sie kann aber dabei helfen, eine vorhandene Vorstellung sichtbar zu machen.
Vielleicht ist das nicht die endgültige Lösung
Ich schließe nicht aus, später mit Illustratorinnen oder Illustratoren zusammenzuarbeiten. Vielleicht wird es für einzelne Bücher, besondere Ausgaben oder neue Projekte irgendwann möglich sein.
Für den Moment erlaubt mir die KI, Bücher und Materialien zu gestalten, die sonst in dieser Form nicht entstehen könnten. Ich betrachte das nicht als Entscheidung gegen Künstler, sondern als pragmatischen Weg innerhalb meiner derzeitigen Möglichkeiten.
Ich glaube, dass man über KI in der Kunst weder begeistert hinwegsehen noch sie grundsätzlich verdammen sollte. Man sollte genau prüfen, wo sie eingesetzt wird, was sie ermöglicht, was sie verdrängt und wer die Verantwortung für das Ergebnis trägt.
Meine Entscheidung war nicht leicht. Aber sie war notwendig, damit die Welt meiner Geschichten nicht unsichtbar bleiben muss.
