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Frida hat mir verraten: Herr Munkel ist noch lange nicht fertig erzählt

Benno Vorberg - Weblog Kinderbuch-Autor

Manchmal ist es eine merkwürdige Angelegenheit, Kinderbücher zu schreiben. Man entwickelt eine Geschichte, begleitet seine Figuren durch allerlei Schwierigkeiten und glaubt schließlich, mit dem letzten Satz auch das letzte Wort gesprochen zu haben. Doch gelegentlich benehmen sich die Figuren so, als hätten sie ganz andere Vorstellungen davon, wann ihre Geschichte beendet ist.

So ist es mir jedenfalls mit Herrn Munkel ergangen.

Ich war eigentlich der Meinung, seine Abenteuer in „Herr Munkel und das Malefirantokandelarium“ zu einem ordentlichen Abschluss gebracht zu haben. Ein Zauberer, der sich mit größtem Ernst der Finsternis verschrieben hat, dessen schreckliche Verwünschungen aber aus unerfindlichen Gründen immer wieder etwas Gutes bewirken, hat schließlich bereits genügend Schwierigkeiten. Besonders dann, wenn eine gewisse Frida in seiner Nähe ist.

Frida sieht die Welt bekanntlich etwas anders als Herr Munkel. Während er von dunklen Mächten, unheilvollen Beschwörungen und dem nahenden Verderben spricht, interessiert sie sich vor allem dafür, ob eine kaputte Schaukel wieder funktioniert, ein Fahrrad repariert werden kann oder jemand vielleicht ein bisschen Hilfe braucht.

Dass diese beiden Vorstellungen nicht immer zusammenpassen, gehört zu den Eigentümlichkeiten ihrer Freundschaft.

Nun hatte ich das Manuskript längst abgeschlossen und wollte mich eigentlich anderen Geschichten widmen, als Frida mir sinngemäß zu verstehen gab, dass ich da wohl etwas übersehen hätte.

„Was denn?“, fragte ich.

„Herr Munkel ist doch noch gar kein richtiger finsterer Zauberer.“

Ich musste darüber nachdenken.

„Er sieht aber ziemlich danach aus.“

„Das findet er auch“, sagte Frida. „Nur reicht das wahrscheinlich nicht.“

„Wofür?“

„Für die Prüfung.“

Ich sah sie an.

„Welche Prüfung?“

Frida machte ein Gesicht, als hätte ich gerade gefragt, weshalb ein Fahrrad zwei Räder benötigt.

„Na, die Zauberprüfung. Sie können doch nicht einfach einen schwarzen Mantel anziehen, ein paar Leute verfluchen und dann behaupten, Sie wären ein großer Meister der Finsternis.“

Darüber hatte ich tatsächlich noch nicht ausreichend nachgedacht. Herr Munkel vermutlich ebenfalls nicht. Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass er die bloße Vorstellung einer amtlichen Überprüfung seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten als schwerwiegende Beleidigung empfinden würde.

Andererseits wäre es durchaus interessant zu erfahren, wie eine solche Prüfung eigentlich aussieht.

Muss ein finsterer Zauberer nachweisen, dass er jemanden erschrecken kann? Werden Verwünschungen nach ihrer Schädlichkeit bewertet? Gibt es möglicherweise sogar Formulare, auf denen man eintragen muss, welches Unheil man anzurichten gedenkt?

Ich fürchte, Herr Munkel würde bereits an der letzten Frage wenig Freude haben.

„Und du?“, fragte ich Frida. „Würdest du ihm bei dieser Prüfung helfen?“

Sie überlegte einen Augenblick.

„Wenn er mich lässt.“

„Das klingt nicht besonders sicher.“

„Bei Herrn Munkel ist eigentlich nichts besonders sicher.“

Damit hatte sie vermutlich recht.

Seit ich die beiden kenne, hat Herr Munkel jedenfalls noch keinen einzigen Tag erlebt, an dem seine großen Pläne vollkommen nach seinen Vorstellungen verlaufen wären. Das liegt gelegentlich an seinen Zaubersprüchen, manchmal an seinem ausgestopften Raben Rodrigo, der zu den unpassendsten Gelegenheiten „Unheil!“ verkündet, und nicht selten an sechs Enten, die offenbar der Ansicht sind, sein Garten gehöre hauptsächlich ihnen.

Vor allem aber liegt es an Frida, die mit einer einzigen vernünftigen Frage ganze Gebäude finsterer Überzeugungen ins Wanken bringen kann.

Ob das bei einer amtlichen Zauberprüfung ebenfalls funktioniert, wage ich nicht vorauszusagen.

Eines allerdings ist mir nach diesem Gespräch klar geworden: Mit Herrn Munkel und Frida bin ich noch nicht fertig. Und die beiden miteinander vermutlich auch nicht.

Bis ich mehr darüber erzählen kann, möchte ich allen, die Herrn Munkel noch nicht kennen, zunächst sein erstes Abenteuer ans Herz legen.

In „Herr Munkel und das Malefirantokandelarium“ begegnen die Leser einem Zauberer, der um jeden Preis böse sein möchte und dabei auf eine Stadt trifft, deren Bewohner erstaunlich wenig Verständnis für seine finsteren Absichten zeigen. Und sie lernen Frida kennen, die sich von langen Zaubersprüchen und gewaltigen Drohungen ebenso wenig beeindrucken lässt wie von einem besonders hochgestellten Mantelkragen.

Es ist eine Geschichte über missglückte Verwünschungen, eigensinnige Magie, unerwartete Freundschaften und die schwierige Frage, ob man wirklich so böse sein muss, wie man immer behauptet.

Wer neugierig geworden ist, findet das Buch und eine Leseprobe hier auf meiner Website im Bereich Bücher.

Und was die Fortsetzung angeht?

Ich werde Frida gelegentlich noch einmal fragen.

Allerdings vermute ich, dass Herr Munkel darüber ausgesprochen ungehalten wäre.

Benno Vorberg

Lesebrief - Benno Vorberg

Neue Geschichten, Gedanken über Kinderbücher und Sprache, Einblicke in die Arbeit von Benno Vorberg sowie gelegentliche Leseproben und Materialien für Eltern und Lehrkräfte.

Der Lesebrief erscheint in unregelmäßigen Abständen, gewöhnlich etwa einmal im Monat.