
Manchmal beginnt ein neues Projekt mit einer einfachen Frage: Warum verschwinden eigentlich so viele wunderbare Bücher aus unserem Blickfeld, obwohl die Geschichten, die sie erzählen, noch immer etwas zu sagen haben?
Diese Frage beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Als Kinderbuchautor weiß ich, wie wichtig Geschichten sind, die nicht nur unterhalten, sondern ihren Leserinnen und Lesern eine Welt eröffnen, in der sie etwas entdecken können. Geschichten, die neugierig machen, die Fantasie anregen und die manchmal noch lange nachwirken, nachdem man das Buch längst zugeschlagen hat.
Dabei denke ich nicht ausschließlich an neue Bücher. Auch die Kinder- und Jugendliteratur vergangener Generationen besitzt einen Reichtum, der heute erstaunlich wenig Beachtung findet. Manche Werke sind noch immer bekannt, andere begegnen uns allenfalls in alten Ausgaben, antiquarischen Buchhandlungen oder in Übersetzungen, deren Sprache inzwischen selbst ein Stück Literaturgeschichte geworden ist.
Dabei denke ich nicht ausschließlich an neue Bücher. Auch die Kinder- und Jugendliteratur vergangener Generationen besitzt einen Reichtum, der heute erstaunlich wenig Beachtung findet. Manche Werke sind noch immer bekannt, andere begegnen uns allenfalls in alten Ausgaben, antiquarischen Buchhandlungen oder in Übersetzungen, deren Sprache inzwischen selbst ein Stück Literaturgeschichte geworden ist.
Aus diesem Gedanken heraus ist in den vergangenen Monaten eine neue Buchreihe entstanden, die mir persönlich besonders am Herzen liegt: Schätze der Jugendliteratur.
Mit dieser Edition möchte ich große Geschichten bewahren, vergessene Werke wieder zugänglich machen und jungen wie erwachsenen Leserinnen und Lesern die Gelegenheit geben, die Abenteuerliteratur vergangener Zeiten neu zu entdecken.
Alte Geschichten verdienen neue Aufmerksamkeit
Wer heute einen Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur sucht, findet häufig Ausgaben, die über viele Jahrzehnte immer wieder nachgedruckt wurden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch nicht selten handelt es sich um gekürzte Fassungen, sprachlich stark bearbeitete Texte oder Übersetzungen, deren Herkunft und Entstehungszeit kaum noch nachvollziehbar sind.
Für meine Edition habe ich mich deshalb für einen anderen Weg entschieden. Bei fremdsprachigen Werken gehe ich, soweit möglich, auf die frühesten verlässlichen Originalfassungen zurück und erarbeite eigene neue deutsche Übersetzungen. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, die Bücher nachträglich umzuschreiben oder sie dem heutigen Zeitgeist anzupassen. Die Geschichten sollen ihre Eigenständigkeit und ihre historische Atmosphäre behalten.
Eine neue Übersetzung darf dem heutigen Leser den Zugang erleichtern, aber sie sollte nicht zwischen ihn und den Autor treten. Was Robert Louis Stevenson, Edith Nesbit oder Alexander Beljajew erzählen wollten, soll auch in unserer Ausgabe erkennbar bleiben. Dazu gehören gelegentlich fremde Denkweisen, historische Vorstellungen und Figuren, die nicht immer so handeln, wie wir es heute vielleicht erwarten würden. Gerade das macht die Begegnung mit Literatur aus anderen Zeiten interessant.
Jeder Band erhält außerdem ein eigenes Vorwort, in dem ich das Werk, seinen Autor und seine Bedeutung für die Reihe einordne. Denn hinter diesen Geschichten stehen Menschen, deren Lebenswege bisweilen ebenso bemerkenswert sind wie die Bücher, die sie geschrieben haben.
Die ersten sechs Bücher sind bereits in unserem Shop zu finden
Inzwischen hat die Edition ihre ersten konkreten Ergebnisse hervorgebracht. Sechs Titel stehen bereits im Mittelpunkt unserer ersten Veröffentlichungsphase, und die Bücher sind in meinem Online-Shop zu finden.
Mit Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel beginnt die Reihe bei einem der großen Abenteuerromane der Weltliteratur. Jim Hawkins, eine geheimnisvolle Schatzkarte, Piraten und eine Reise ins Ungewisse – diese Geschichte hat unser Bild vom klassischen Piratenabenteuer geprägt wie kaum ein anderes Buch.
Einen ganz anderen Zugang eröffnet Die Eisenbahnkinder von Edith Nesbit. Drei Geschwister müssen nach dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters ihre vertraute Welt verlassen und finden auf dem englischen Land, unweit einer Eisenbahnstrecke, ein neues Zuhause. Es ist eine Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft und den Mut, anderen Menschen zu helfen, ohne dabei selbst unfehlbar sein zu müssen.
Mit Robinson Crusoe von Daniel Defoe begegnen wir einem weiteren Werk, das weit über seinen ursprünglichen Entstehungszusammenhang hinausgewachsen ist. Der Schiffbrüchige auf seiner einsamen Insel wurde zu einer literarischen Figur, die Generationen von Leserinnen und Lesern begleitet hat.
Besonders reizvoll finde ich außerdem die beiden Science-Fiction-Klassiker Der Amphibienmensch von Alexander Beljajew und Aelita von Alexei Tolstoi. Beide Romane stammen aus einer Zeit, in der die wissenschaftlichen Möglichkeiten des Menschen neue Zukunftsvorstellungen entstehen ließen. In Beljajews Roman begegnen wir einem jungen Menschen, der unter Wasser leben kann und gerade deshalb zum Objekt fremder Interessen wird. Tolstois Aelita führt uns dagegen auf den Mars, in eine fremde Zivilisation, deren Konflikte uns erstaunlich vertraut vorkommen können.
Und schließlich gehört auch Die Sterne von Eger des ungarischen Schriftstellers Géza Gárdonyi zu unserer Edition. Dieser große historische Roman führt in das Ungarn des 16. Jahrhunderts und verbindet persönliche Schicksale mit der dramatischen Belagerung der Festung Eger. Wegen seines beträchtlichen Umfangs erscheint er zunächst als E-Book. Für eine spätere Printausgabe prüfen wir die Möglichkeit, den vollständigen Roman auf zwei handlichere Bände aufzuteilen.
Diese ersten Bücher zeigen bereits, wie vielfältig die Reihe werden soll. Sie führt von den Weltmeeren über die englische Eisenbahnlandschaft bis zum Mars und in die Geschichte Ungarns. Was sie verbindet, ist nicht ein bestimmtes Genre, sondern die Kraft ihrer Erzählungen.
Und dabei soll es selbstverständlich nicht bleiben. Weitere Werke sind bereits in Vorbereitung.
Die E-Books sind erhältlich – für die Printausgaben suchen wir noch einen geeigneten Partner
Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist inzwischen geschafft. Die Manuskripte wurden bearbeitet, die Übersetzungen erstellt, die Bücher gestaltet und die ersten digitalen Ausgaben veröffentlicht.
Die E-Books sind direkt über meinen eigenen Online-Shop auf lesebuecher-fuer-kinder.de erhältlich. Inzwischen sind unsere Bücher auch bei Google Play Bücher zu finden. Damit können Leserinnen und Leser die Edition nicht nur über meine eigene Website entdecken, sondern auch über eine der großen digitalen Buchplattformen.
Allerdings möchte ich es nicht bei digitalen Ausgaben belassen.
Für mich gehören klassische Kinder- und Jugendbücher ganz selbstverständlich auch ins Bücherregal. Ein schön gestaltetes Hardcover, das man in die Hand nimmt, verschenkt, seinen Kindern vorliest oder irgendwann an die nächste Generation weitergibt, besitzt einen Wert, der über seinen eigentlichen Inhalt hinausgeht.
Deshalb haben wir für die Edition ein einheitliches Erscheinungsbild entwickelt. Die Bücher erhalten individuell gestaltete Buchcover, einen charakteristischen roten Schmuckrahmen und eine gemeinsame typografische Gestaltung. Sie sollen als zusammengehörende Reihe erkennbar sein, ohne dabei ihre jeweilige Eigenständigkeit zu verlieren.
Die Vorbereitung der Printausgaben ist allerdings eine andere Herausforderung als die Veröffentlichung von E-Books. Gerade bei umfangreicheren Klassikern müssen Druckqualität, Bindung, Herstellungskosten und Verkaufspreise in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Schließlich soll diese Edition keine Sammlung kostspieliger Schaustücke werden, sondern eine Bibliothek, die man sich nach und nach aufbauen kann.
Wir bemühen uns deshalb derzeit darum, einen geeigneten Veröffentlichungs- und Herstellungspartner für die gedruckten Ausgaben zu finden. Einen Partner, der unser Konzept mitträgt und mit dem sich die Bücher in der Qualität realisieren lassen, die ich mir für diese Reihe vorstelle.
Bis dahin sind die E-Books bereits erhältlich, und die Vorbereitungen für die Hardcover-Ausgaben gehen weiter. Sobald es hier konkrete Neuigkeiten gibt, werde ich selbstverständlich darüber berichten.
Eine Bibliothek, die weiter wachsen soll
Als ich mit der Arbeit an dieser Reihe begann, hatte ich zunächst einige wenige Bücher im Sinn. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, dessen Möglichkeiten weit über diese erste Auswahl hinausgehen.
Denn die Kinder- und Jugendliteratur besitzt einen internationalen Schatz an Geschichten, der längst nicht ausgeschöpft ist. Neben den berühmten englischen Abenteuerromanen gibt es bemerkenswerte Werke aus Frankreich, Russland, Ungarn und vielen anderen Ländern. Es gibt fantastische Erzählungen, historische Romane, Märchen, Reisegeschichten und Bücher, die in ihrer Heimat zu den großen Klassikern gehören, im deutschsprachigen Raum aber kaum noch bekannt sind.
Ich möchte diese Literatur nicht in einem Museum unterbringen. Ich möchte, dass sie gelesen wird.
Von Kindern, die zum ersten Mal einem solchen Abenteuer begegnen. Von Eltern, die ihren Kindern Geschichten weitergeben möchten, die sie vielleicht selbst einmal begleitet haben. Und von Erwachsenen, die neugierig geblieben sind und Freude daran haben, literarische Entdeckungen zu machen.
Eine solche Edition entsteht nicht über Nacht. Sie verlangt sorgfältige Textarbeit, Geduld bei der Gestaltung und gelegentlich auch die Bereitschaft, Entscheidungen noch einmal zu überdenken. Doch mit den ersten sechs Titeln haben wir einen Anfang gemacht, auf dem sich aufbauen lässt.
Ich würde mich freuen, wenn Sie uns auf diesem Weg begleiten, in unseren bereits erschienenen Büchern stöbern und vielleicht einen Klassiker entdecken, den Sie bisher noch nicht kannten.
Denn manche Geschichten werden nicht alt. Sie warten nur darauf, wieder gelesen zu werden.
Ihr Benno Vorberg
Die ersten Bücher der Edition Schätze der Jugendliteratur finden Sie hier auf lesebuecher-fuer-kinder.de in meinem eigenen Buchshop sowie bei Google Play Bücher. Über die weitere Entwicklung der Reihe und die geplanten Hardcover-Ausgaben werde ich hier im Blog berichten.
